Die junge Dame dort, hat sicherlich ein Recht, sich darüber zu beschweren, von Männern nur auf ihre weiblichen Attribute und ihre Sexualität beschränkt zu werden. Ebenso hat sie ein Recht darauf als ganzheitliches Wesen wahrgenommen zu werden.
Aber auf der anderen Seite, habe ich dieses Recht als Mann nicht auch?
Ich gehöre zu de Kategorie Männer, die aufmerksame Zuhörer sind, denke ich zumindest, ein recht guter und leidenschaftlicher Erzähler, kultiviert, höflich und zuvorkommend sowie zuverlässig und ehrlich.
Alles Eigenschaften, die mich irgendwo immer zum idealen Schwiegersohn machten, nur die Töchter der potentiellen Schwiegereltern machten dieses zum Problem.
Auch wenn ich heute verheiratet bin und zwei Kinder habe, am Grundproblem hat sich nichts geändert, denn ich bin Polyamor. Warum sollte ich einer Frau, die mir etwas bedeutet mit weniger begegnen, als dem was sie verdient, mit Liebe?
Viele der von mir oben aufgezählten Charaktereigenschaften werden mir immer wieder von Frauen als von ihnen an einem Mann wünschenswert beschrieben.
In meiner eventuell etwas naiven Logik sollte mich dieses also zu einem für eine Frau erstrebenswerten potentiellem Partner machen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Es degradiert mich, wie viele andere Männer, die Frauen gegenüber denken und handeln wie ich, zum ewigen Kumpel.
Wer von meinen Lesern, jetzigen oder künftigen, hat nicht in seinem oder ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis nicht mindestens eine Freundespaarung der folgenden Konstellation:
Die schöne, von allen Männern umschwärmte, mit häufig wechselnden Beziehungspartnern und entsprechend großem (lautem) Leiden, wenn wieder einmal die aktuelle Beziehung in die Brüche geht. Dazu als Pendant, der schüchterne, ruhige Knabe, der immer für sie da ist, der sich ihres Schmerzes und ihrer Trauer annimmt, der für sie da ist, in bestem Ehegelöbnis-Sinne, in guten, wie in schlechten Tagen?
Ist diesen Damen eventuell einmal aufgefallen, daß sie dieser Knabe lieben könnte und das eventuell dieser Knabe der beste Beziehungspartner für sie wäre?
In meinem Umfeld bin dieser Knabe oft genug ich, auch wenn ich darauf hinweise und dieses früh genug, daß ich polyamor veranlagt bin. Die Zärtlichkeiten und die Anlehnungsmöglichkeit, die Wärme und Geborgenheit die ich einer Frau vermittele und ihr durchaus ein Wohlgefühl in meiner Nähe bereiten, werden gerne angenommen. Das dieses jedoch von meiner Seite auch aus einem Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Sexualität entspringt, wird dabei gerne außer Acht gelassen, wie oben beschriebene Damen das gerne mit Männern von meiner Sorte tun.
Ein extremes Beispiel dafür ist mir vor nicht all zu langer Zeit passiert. Eine Freundin von meiner Frau und mir, bei der ich von Anfang an aus meinen polyamoren Neigungen kein Geheimnis gemacht habe, und ich kamen uns näher, mit Umarmungen und Küssen und allem was dazu gehört. Meine Annäherungen wurden durchaus positiv beantwortet und waren von ihrer Seite durchaus gewünscht, soweit es die Aufwertung des eigenen Selbstwertgefühls betrafen. Das dieses, wenn nicht bei einem Mann nicht schon vorhanden, den Wunsch nach mehr weckt, ist wahrscheinlich auch für die Damenwelt nachvollziehbar. Ausgebremst was meine Ambitionen anging wurde ich dann, durch eine in ein Nebengespräch, wie zufällig, eingeflochtene Bemerkung der entsprechenden Freundin, sie habe genug (sexuelle) Angebote.
Das mag stimmen, schließlich ist sie nicht unattraktiv, der Unterschied ist jedoch, ich suche und biete nicht nur Sex. Allerdings biete ich auch nicht nur alles andere, sondern möchte eben auch in Gänze angenommen werden, also auch mit meinen erotischen und sexuellen Interessen und Wünschen. Genau so, wie viele andere, oben beschriebene, "Satelliten" auch. Der Unterschied an dieser Stelle wiederum, ich denke und fühle polyamor, meinen Partnerinnen steht es selbstredend frei, genau wie mir, weitere Partner neben mir zu haben. Wer allerdings nur auf Sex aus ist, ist bei mir falsch, allerdings auch ohne Sexualität und Erotik ist das ganze nur eine, für mich nicht erstrebenswerte Halbheit.
Wie im Eingang geschrieben, auch ich möchte als ganzheitliches Wesen wahrgenommen werden. Emotionale und intellektuelle Nähe ohne die körperliche Nähe ist für mich nur eine Halbheit. Ich möchte Frauen, die mir etwas bedeuten, in ihrer vollen Gänze, also auch mit ihrer Sexualität und Körperlichkeit erfahren, aber auch genau so von ihnen angenommen werden, also in Gänze.
Ich möchte nicht immer nur der Lückenbüßer sein. Auch ich möchte mit allen meinen Facetten geliebt werden.