Die Damenwelt unterstellt uns Männern ja immer wieder gerne, daß wir nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Schw*** denken. Ich kann nicht leugnen, daß die Damen an dieser Stelle recht haben, um so mehr, je stärker das Angebot an Sex für uns Männer beschnitten wird.
Gemein wird es jetzt erst für Euch Damen, denn Ihr macht es auch nicht anders. Zumindest bei der Wahl eurer Beziehungspartner ist der Unterleib federführend an Euren Entscheidungen beteiligt. Es wird dann allerdings sehr schön mit Phrasen verbrämt. "Schmetterlinge im Bauch" ist an diesem Punkt sehr beliebt, in der Regel liegt die Ursache für dieses Gefühl jedoch einige Zentimeter tiefer.
Nicht das wir uns an diesem Punkt falsch verstehen, auch ich kenne dieses Gefühl der Verliebtheit, habe es schon viele Male erlebt und möchte es auch nicht vermissen.
Was ich allerdings etwas irrwitzig finde, dieses, betrachtet an der Lebensspanne immer kurzfristig anhaltende Gefühl, ist in unserer mono geprägten Welt der Punkt der über das Zustandekommen einer Beziehung entscheidet. Alles andere hat dem zu folgen. Sexuelle Begierde, die Ihr für jemanden empfindet, bedeutet aber nicht, daß dieser gewählte Sexpartner Euch später in dem Maße in anderen Bereichen die Aufmerksamkeit gibt, die Ihr benötigt, oder die Freiheiten läßt, die Ihr braucht, je nachdem, wie Ihr veranlagt seid. Sie bedeutet auch nicht, daß er Euren potentiell zusammen erzeugten Kindern ein guter und liebevoller Erzieher wird. Ebensowenig, daß er Euch ein Gesprächspartner wird oder ist, der Euch intellektuell auf Augenhöhe begegnet. Diese und viele andere Faktoren sind es aber, die entscheiden ob eine Beziehung langfristig Erfolg hat. Ein übliches Vorgehen bei dem Start einer Monobeziehung, neben dem verbeissen potentieller Wettbewerber, ist daß schaffen von Gemeinsamkeiten. "Ach Schatz, wir haben ja so viel gemeinsam", ist eine Phrase die man dort oft zu hören bekommt. Für einen Aussenstehenden, wie meistens mich, kann das schon erheiternd sein, vorausgesetzt, man ist bei der entsprechenden Dame nicht gerade als Sattelit (siehe einer meiner vorhergehenden Posts) ebenfalls gefühlsmäßig involviert. In diesem Falle haben solche Beobachtungen neben dem Amüsement einen recht bitteren Beigeschmack.
Mir ging es vor einiger Zeit (ich schätze mal, daß ist jetzt so gut ein bis eineinhalb Jahre her) bei einer jungen Dame so, der ich emotional sehr zugetan bin. Ich nenne diese Dame der Einfachheit halber Sibylle, damit ich in nachfolgenden Posts leichter auf sie Bezug nehmen kann. Bei meiner (Ehe)Frau ist das einfacher, ich bitte Euch jedoch dieses nicht im Sinne von Besitz zu verstehen. Sie ist auch frei in ihren Entscheidungen und wird von mir nicht weniger respektiert, wenn sie sich einen zweiten Partner zulegen würde. Es ist genzlich ihre Entscheidung mich derzeit als einzigen Partner zu wollen. Sibylle jedenfalls, ich könnte sie auch Begine nennen, aber mir sind die
Sibyllen lieber als die
Beginen, sagte beinahe kleinlaut zu jener Zeit in einer Diskussion im Auto über ihren damaligen Mono-Partner, "Sie hätten ja auch vieles gemeinsam". Das ironische "Was denn?" konnte ich mir gerade noch verkneifen. An diesem Punkt hatte ich meine Lektion bereits gelernt, nicht nur bei Sibylle sondern auch bei vielen anderen. Ein falscher Kommentar zur falschen Zeit wird mit Entzug von Nähe bestraft in unserer Gesellschaft. Bei Kindererziehung spricht man von Liebesentzug und es ist ein sehr drastisches und gewalttätiges Mittel der Erziehung.
Solche, auf Biegen und Brechen unter dem Einfluß von Endorphinen geschaffenen, Gemeinsamkeiten haben in der Regel nur auf bestimmte Zeit Bestand. Oder würdet Ihr noch von Gemeinsamkeiten sprechen, wenn er mit der Bierflasche vorm Ferseher sitzt, oder um beim vorhergehenden Post zu bleiben, im Bandprobenraum, um von seiner weiteren Bandkarriere zu träumen, während Ihr nach der Arbeit euer Kind von der Kinderkrippe abholt und ihm, zwischen Wäsche waschen und Abendessen kochen, die Windeln wechselt?
Gut das ist jetzt etwas überspitzt, aber doch nicht wirklich, ähnliches wird nicht nur in Satiresendungen in dieser Form übertrieben dargestellt, sondern ist oft genug Realität. Sibylle zum Beispiel hat an ihrer letzten Monobeziehung noch rund ein Jahr festgehalten, obwohl sie genau gesehen hat, daß das Restliche nicht zusammen paßte. Macht so etwas Sinn?
Wie gesagt, ich kann es nicht verstehen, in unserer Mono-Gesellschaft zählt das kurze hormonell angereicherte Gefühl des Verliebtseins anscheinend als einziges Einstiegsmodell in eine Beziehung, die Ernüchterung erfolgt dann, wenn der Hormonrausch vorbei ist. Der Kater ist dann meist um so schlimmer, nicht nur für den oder die Betreffenden, sondern schlimmeren Falls auch für eventuelle Kinder. Aber Patchworkfamilien sind ja gesellschaftlich akzeptiert und die psychischen Schäden durch Streit und Trennung werden als Kolateralschaden betrachtet, ja sind sogar erwünscht, füllen sie doch die Kassen unzähliger Therapeuten und kurbeln damit die Wirtschaft an.
Liebe Damen, bedenkt auch folgendes, ein Monpartner schenkt Euch dieses Gefühl der Verliebtheit genau ein mal. Nach einer Zeit X ist dieses Gefühl verflogen, ihr sehnt Euch nach etwas neuem, fühlt Euch eingeschränkt, habt irgendwann Sehnsucht nach fremder Haut. Der Gedanke ich muß mich austoben bevor ich mich endgültig binde hilft auch nicht. Der Wunsch nach neuem wird immer wieder auftauchen, früher oder später. Der Polypartner kann Euch dieses Gefühl der Verliebtheit immer und immer wieder schenken, nämlich jedesmal, wenn Ihr Euer Beziehungsgeflecht um einen neuen Partner erweitert, indem er sich aufrichtig mit Euch freut und Eure neue Verliebtheit mit Euch genießt. So schwer ist es gar nicht, ich spreche da aus eigener Erfahrung. Das funktioniert allerdings nur, sollange es ein miteinander ist und nicht ein entweder er oder ich.
Wie wäre es denn, wenn ihr Euch mal mit einem dieser schon von mir mehrfach erwähnten Satelliten ausprobiert? Eine Sache kann ich Euch an dieser Stelle garantieren, sie werden Euch auf Händen tragen. Sie kennen Euch nämlich auch und insbesondere von Euren Schattenseiten und lieben Euch trotzdem. Klar, es sind keine Machos, auf die ihr sonst so gerne reinfallt. Dafür sind sie mit sicherheit sehr Sensibel und Einfühlsam und geben Euch garantiert auch im Bett genau das was ihr braucht, schließlich wollen sie Euch glücklich machen. Und verlaßt Euch darauf, nicht nur Verliebtheit macht Sex, sondern auch umgekehrt, Sex macht verliebt. Meine mir angetraute hat das schon festgestellt, als sie sich ungewollt in einen unserer Spielpartner spontan verliebt hat.
Sibylle hat mich an diesem Punkt sehr stark erschreckt und frustriert, ich dachte sie hätte dieses verstanden, als sie nach dem Ende ihrer letzten Monobeziehung verbal auf meine Avancen einging. Leider war dem nicht so, nachdem sie sich nun wieder in eine Monobeziehung gestürzt hat, bekam ich den Eindruck, daß sie erwartete sich spontan in mich zu verlieben, damit es zwischen uns funktioniert. Nein liebe Sibylle, so funktioniert das nicht, dafür kennen wir uns zu lange und sind gedanklich und auch in anderen Bereichen zu intim miteinander.
Verlieben wirst Du Dich frühestens in mich, wenn Du Dich auf Sex mit mir einläßt und dabei feststellst, das ich Dir auch in dem Bereich gut tue und nicht nur in allen anderen.
Wirklich schockiert hat mich Sibylle in dieser hinsicht, als sie mir kurz vor oder kurz nach Ende ihrer letzten Beziehung, beinahe beiläufig erwähnte, daß sie mit ihrem (Fast-) Ex nie eine so vertrauensvolle Gesprächsbasis aufgebaut hatte oder wie sie es (glaube ich) formulierte nie so tiefe intensive Gespräche geführt hat, wie mit mir.
Aber bitte, warum nicht mal den umgekehrten Weg wagen und aus einer in vielen Bereichen schon etliche Jahre funktionierenden Beziehung in eine Liebes und Sexbeziehung wechseln, auch wenn es sich erst einmal komisch und ungewohnt anfühlt? Die Chancen dafür das es besser funktioniert sind ungleich größer und wenn man im Bett dann doch nicht harmoniert, kann man sich das im gegenseitigen Einverständnis immer noch zugeben und es wieder lassen, die funktionierende vorhergehende Beziehung wird dieses verkraften. Bei einer Beziehung die nur auf Verliebtheit gründet fehlt eine solche gemeinsame Basis.
Da bleibt nichts, ausser Scherben.